Ich gebe zu, ich war nicht ganz bei der Sache, als ich vor vielen, vielen Jahren so in der Erb-Suppe vor mich hingeschwommen bin und mir die Gene für mein zukünftiges Leben zusammengestellt habe. Bei der Einschulung für junge Chromosomen habe ich offenbar nicht aufgepasst, sonst hätte ich gewusst, dass es nicht um den kreativsten, sondern den qualitativ hochwertigsten Bausatz geht. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich meine damalige Achtlosigkeit wiederholt als nachteilig für mich herausgestellt, aber im Nachhinein ist man ja immer gescheiter.
Was andere gebaut haben:

Was Coco Flanell gebaut hat:

Der örtliche Baumarkt veranstaltet jährlich einen Aktionstag, an dem man einen Kübel in die Hand gedrückt bekommt und dann auf jeden Artikel, den man in diesen Kübel hinein bekommt, einen Rabatt erhält. Ich bin die ungekrönte Regionalmeisterin in diesem Wettbewerb – Sie haben keine Vorstellung, was alles in so einen Kübel passen kann, wenn ich mir das in den Kopf gesetzt habe!
Profitipp: Unten kommen die kleinen Sachen hinein, Schrauben zum Beispiel. Danach die mittelgroßen Artikel: Schlagbohrer, Flex etc. Ganz oben werden die großen Dinger platziert: Rasenmäher, Griller, Mischmaschine. Das fragile Konstrukt überlebt zwar nur genau bis zur Kassa und keinen Millimeter weiter, aber das war ja auch nicht die Aufgabe.
Dass ich dieses Talent schon mit minus neun Monaten hatte, ist mir neulich erst klar geworden. Aber genau so muss es sich damals auch zugetragen haben, als ich als zukünftiger Mensch an den Start ging.
Seit einigen Wochen besuche ich regelmäßig eine Pathologie-Vorlesung. Für die weniger medizinisch bewandten unter meinen Lesern: Pathologie ist die Lehre von den abnormen und krankhaften Vorgängen und Zuständen von Lebewesen und deren Ursachen, kurz Krankheitslehre. Okay, ich geb’s zu, ich bin ebenfalls fernsehgeschädigt, bis vor Kurzem haben Pathologen in meiner Vorstellung auch ausschließlich Leichen obduziert.
Dass ich überdurchschnittlich viele Krankheiten und Leiden habe, ist mir natürlich schon aufgefallen, ich war ja bei jedem einzelnen dabei in den letzten 45 Jahren. Ein paar echte Raritäten und Abstrusitäten waren bzw. sind auch dabei. Aber so richtig bewusst geworden ist mir das enorme Ausmaß erst im Rahmen dieser Vorlesung. Bei „abnorme Zustände von Lebewesen“ fühle ich mich jedenfalls dermaßen angesprochen, als hätte ich für diese Definition Pate gestanden.
Ich schwöre Ihnen, jede fünfte Seite im Skriptum ein Treffer. Kenn‘ ich, kenn‘ ich, hab‘ ich, kenn‘ ich – so geht das in einer Tour. Für diese Prüfung werde ich nicht viel lernen müssen. Ist schon erledigt, Learning by Doing, sozusagen. Pragmatismus war immer schon eine meiner Stärken.
Einen zweiten Vorteil hat meine fragwürdige Gesamtkonstitution noch: Sie wird mich stinkreich machen. Ich hatte nämlich letzte Woche während der Vorlesung eine grandiose Geschäftsidee. Die ist noch streng geheim, ich habe es noch nicht zum Patentamt geschafft. Also bitte, behalten Sie sie ja für sich!
Ich werde demnächst ein Gesellschaftsspiel auf den Markt bringen:
Pflegeheim-Bingo
Der ultimative Spielespaß für Alt und Alt!
Jeder Spieler bekommt beim Betreten des Speisesaals eine klassische Bingo-Karte ausgehändigt, auf der anstelle von Zahlen allerdings Krankheiten aufgelistet sind. Dazu einen Stift. Im Laufe des Mittagessens streicht man jede Krankheit, die ein Tischgenosse erwähnt und die man selbst ebenfalls hat/hatte, von der Karte. Sobald man die letzte Krankheit von seiner Karte streichen konnte, ruft man – so laut man noch kann – „Bingo!“. Wer als Erster „Bingo!“ gerufen hat, ist der Gewinner. Er bekommt zusätzlich zum Vanillepudding noch ein Kipferl und ein Abführmittel nach Wahl zum Dessert.

Wenn ich so darüber nachdenke, eignet sich das Spiel auch hervorragend für Familienfeiern, Kegelvereine und Golfclubs. Und wenn man eine Stoppuhr dazustellt, hat man eine Art Blitzschach für Hypochonder.
Haben Sie Lust auf eine Proberunde? Los geht’s! Migräne, Meniskusriss, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Kniescheibenfehlstellung, Hausstaubmilbenallergie, Nasenscheidewandverkrümmung, Knorpelschaden, Polypen, Kapselriss, Bradykardie, Knochenmarksödem, Gastritis, Schleimbeutelentzündung, Laktoseintoleranz, Schilddrüsenunterfunktion …
Bingo!
Wem ich meinen abenteuerlichen Gen-Cocktail unter anderem zu verdanken habe, lesen Sie hier: Dreierlei Allerlei.
Sollten Sie sich mehr für weitere Geschäftsideen, mit denen ich stinkreich werde, interessieren, bitte hier entlang: Einhells Angels.
